LAUFFieber Laufanalyse
Bericht vom 06.06.2026

Laufstil und Lauftechnik individuell mit Videoanalyse erklärt

Wie entlaste ich beim Laufen Ferse, Achillessehne, Knie, Hüfte und Rücken

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Thema: Laufabend in Lohr am Main
Laufanalyse Laufschuhe Lauftechnik Biomechanik Gesundheit Sport

Mehr als nur Runden drehen, Zeitungsartikel von KLAUS WERTHMANN

Lohr. Joachim Fieber schaut auf einen Bildschirm. Nicht auf das Gesicht des Läufers, nicht auf dessen Alter oder Trainingszustand. Sein Blick wandert zu den Füßen, zu den Knien, zur Hüfte. Der Mann auf dem Video läuft nur wenige Sekunden an ihm vorbei auf der roten Bahn des Lohrer Nägelsee-Sportzentrums. Für Fieber genügt das. Der linke Fuß setzt anders auf als der rechte. Die Arme arbeiten nicht ganz symmetrisch. Die Haltung könnte aufrechter sein. Auf der Bahn dreht der Läufer längst die nächste Runde. Auf dem Bildschirm bleibt sein Bewegungsablauf stehen, zerlegt in einzelne Bilder. Aus einem selbstverständlichen Vorgang wird ein Puzzle aus Schritten, Winkeln und Gewohnheiten.

Rund 50 Teilnehmer

An diesem Mittwochabend ist Fieber, Laufexperte und Inhaber eines Sportgeschäfts in Aschaffenburg-Nilkheim, einer der gefragtesten Männer auf dem Gelände. Rund 50 Menschen sind zum ersten Tag des Laufens nach Lohr gekommen. Sie laufen, gehen, warten, trinken Wasser oder unterhalten sich am Rand der Bahn. Immer wieder bildet sich eine Traube vor dem Monitor, auf dem Fieber zeigt, was der Körper beim Laufen erzählt.

Kostenloses Angebot

Dass an diesem Abend überhaupt Menschen ihre Runden drehen, hat auch mit Thomas Schönfeld zu tun. Der 50-jährige Mediziner steht am Rand des Geschehens, begrüßt Teilnehmer, beantwortet Fragen und behält die Bahn im Blick. Als Vorsitzender der LG Lohr hatte er im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Zweckverband erreicht, dass die 400-Meter-Tartanbahn nicht mehr nur dem Schul- und Vereinssport vorbehalten ist. Seither heißt das Angebot „Lohr läuft“, mittwochs, kostenlos, ohne Anmeldung, offen für alle. Von 19 bis 19 Uhr. Aus dieser Idee heraus entstand auch die Beteiligung am bundesweiten Tag des Laufens. Als Schönfeld davon erfuhr, passte sie nahtlos zu dem, was hier ohnehin versucht wird, Menschen ohne Hürden in Bewegung zu bringen. An diesem Abend scheint das gelungen. Rund 50 Teilnehmer kommen auf die Anlage. „Ich bin mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagt Schönfeld.

Sportabzeichen gemacht

„Ich finde es eine coole Aktion, auch dass man hier die 3000 Meter fürs Sportabzeichen machen kann“, sagt Ignacio Inderwies. Der 35-Jährige ist regelmäßiger Besucher von „Lohr läuft“. Es sei gut zu sehen, dass etwas für den Breitensport getan werde. Tatsächlich nutzen viele die Gelegenheit für mehr als nur Trainingskilometer. 24 Läuferinnen und Läufer absolvieren die 3000 Meter fürs Sportabzeichen, vier Kinder die 800 Meter. Danach gibt es Urkunden, Wasser und Apfelschorle, kleine Gesten, die zum Charakter des Abends passen. „Ich fand es wirklich schön, vor allem, dass wir heute so viele waren“, sagt Jakob Franz aus Sendelbach. Der 22-Jährige trainiert regelmäßig auf der Anlage. Diesmal sei es besonders gewesen, weil zusätzlich eine Laufanalyse angeboten wurde.

Laufanalyse

Im Mittelpunkt steht dabei Joachim Fieber. Immer wieder bilden sich kleine Gruppen um den erfahrenen Laufexperten, der seine Aufnahmen mit den Teilnehmern bespricht. Es geht um Körperhaltung, Armführung, Schrittlänge und darum, Belastungen zu reduzieren. Während auf der Bahn Runde um Runde gelaufen wird, richtet sich der Blick hier auf Details, die über ökonomisches Laufen entscheiden können. Der 68-Jährige betont die Bedeutung des Laufschuhs: „Der Laufschuh ist insofern wichtig, dass er den Fuß kontrollieren soll. Wenn jemand eine Fehlstellung hat, soll der Schuh das kompensieren und nicht verstärken.“ Neben dem Bildschirm steht Guido Munser aus Rechtenbach und betrachtet seinen Laufstil. Vor rund zehn Jahren habe er schon einmal eine Analyse bei Fieber gemacht, erzählt er. Einige Hinweise habe er behalten, andere sei verloren gegangen oder habe sich wieder eingeschlichen. Der Bildschirm zeigt, was viele Läufer kennen: Der Körper kehrt oft zu alten Mustern zurück. Genau darin liegt der Reiz dieses Abends. Der Tag des Laufens ist kein Wettkampf, sondern eine Einladung: sich zu bewegen, anderen zu begegnen und vielleicht ein Stück besser zu verstehen, wie man sich selbst bewegt.

Infokasten: Hintergrund: Tipps zur Lauftechnik von Joachim Fieber

Der Laufexperte Joachim Fieber setzt bei der Analyse von Laufbewegungen an grundlegenden Körperhaltungen an. Wichtig sei zunächst die Armführung: Die Arme sollten oberhalb der Hüfte bleiben und parallel zum Körper geführt werden. So werde der natürliche Armpuls genutzt, der die Vorwärtsbewegung unterstütze. Ebenso zentral ist eine stabile Körperhaltung. Sie entsteht nach Fieber vor allem durch eine aktive Gesäßmuskulatur, leicht gespannte Bauchmuskeln und eine nach vorn geschobene Hüfte, die den Oberkörper aufrichtet. Ergänzend komme das bewusste „Hochziehen“ des Brustbeins, die Atmung zu verbessern. Für den Laufstil empfiehlt er mehr Achtsamkeit bei der Fußarbeit. Die Vorstellung, durch sanftes Gras zu laufen, helfe, die Schritte bewusster zu setzen und die Füße aktiv anzuheben. Ziel sei ein gleichmäßigerer Fersenlauf statt eines ausgeprägten Fersenlaufs. Zentral bleibt die Körperstabilisation. Vor allem Rumpf und Schultergürtel müssten aktiv gehalten werden. Bereiche, die im Alltag durch sitzende Tätigkeiten häufig vernachlässigt würden. Zur Verbesserung empfiehlt Fieber ergänzendes Training außerhalb des Laufens: etwa Laufgymnastik oder funktionelles Training im Fitnessstudio. Entscheidend sei weniger die Intensität als die Regelmäßigkeit: Einmal pro Woche sei besser als keinmal, zweimal besser als einmal, so die Einheiten, werde der Effekt deutlich spürbar. (kw)

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