Absolute Fehlberatung
Es war einer dieser ruhigen Momente in der Schönbuschallee. Mein Vizsla lief entspannt an meiner Seite, als mein Blick an einer Läuferin hängen blieb. Es war nicht ihr Tempo, das mich innehalten ließ, sondern die drastische X-Stellung ihrer Knie, die bei jedem Aufprall fast schmerzhaft nach innen knickten. An ihren Füßen: moderne Laufschuhe, massiv gedämpft, eine dicke Sohle wie ein Heilsversprechen aus Schaumstoff.
Doch die Realität sah anders aus. Schon ohne High-Tech-Analyse war offensichtlich, dass der Schuh unter der Last nach innen wegbrach und die Fehlstellung der Knie und Hüfte bei jedem Schritt nicht linderte, sondern gefährlich hebelte. Als ich sie ansprach, folgte die ernüchternde Antwort: „Die wurden mir in einem Fachgeschäft so empfohlen.“
Dieser Satz hallte nach. Nach über 50 Jahren im Laufsport und als Pionier der Video-Laufbandanalyse in Deutschland kenne ich die Physik hinter der Bewegung. Ein weicher Schuh ohne gezielte Stabilität ist wie ein Fundament aus Sand. Mit der Zeit staucht sich die Zwischensohle asymmetrisch zusammen, bis das Material kapituliert und den Körper in eine Abwärtsspirale aus verschleißenden Fehlbelastungen zwingt.
Es macht mich nachdenklich: Wir vertrauen oft blind auf Trends und oberflächliche Verkaufsargumente, während wir die Biomechanik unseres eigenen Körpers ignorieren. Ein Schuh soll uns schützen, nicht schleichend ruinieren. Manchmal ist das, was sich im Laden „bequem“ anfühlt, auf Dauer der sicherste Weg in den irreparablen Schaden. Laufen wir noch – oder ruinieren wir uns nur komfortabel?